Sackgeld, Twint und Bitcoin: Was Kinder über digitales Geld wissen sollten

Veröffentlicht am 3. September 2026 um 15:37

Vor ein paar Wochen sassen wir am Küchentisch und haben das Sackgeld für den Monat besprochen. Nichts Aussergewöhnliches, das machen wohl die meisten Familien in der Schweiz. Was mich aber aufhorchen liess: Wir haben über Münzen gesprochen, über das Sparschwein, über Twint. Aber kein einziges Mal darüber, was Geld eigentlich ist und warum wir ihm vertrauen.

Bitcoin für Kinder

Genau das zeigt auch die aktuelle Taschengeld-Studie von PostFinance. Schweizer Eltern legen grossen Wert auf Finanzerziehung, das ist erfreulich. Sie zahlen regelmässig Sackgeld, sprechen mit ihren Kindern über Sparen und Prioritäten, nehmen sie mit an die Bank. Der Beobachter empfiehlt sogar, das Sparschwein weiterhin einzusetzen, «auch im Zeitalter von E-Banking und Twint», damit Kinder sehen, wie sich Geld ansammelt.

Das ist alles richtig und wichtig. Nur bleibt eine Lücke. Ab etwa zwölf Jahren, so die gängige Empfehlung, erhalten Kinder ein Prepaid-Konto oder eine Twint-Verbindung. Der Sprung vom Münzenzählen zum digitalen Guthaben passiert damit fliessend, fast unbemerkt. Aber niemand erklärt ihnen, was in diesem Moment eigentlich passiert. Wieso wird aus einer Münze in der Hand eine Zahl auf dem Bildschirm? Wer garantiert, dass diese Zahl morgen noch stimmt? Und was, wenn sie das eines Tages selbst hinterfragen, so wie mein Kind mich schon einmal gefragt hat, was eigentlich hinter Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen steckt?

Ich sehe diese Lücke nicht nur zu Hause, sondern auch in meiner täglichen Arbeit im Fondsgeschäft. Wir strukturieren Produkte, prüfen Verwahrmodelle, sprechen über Vertrauen in Finanzinfrastruktur, jeden Tag. Aber das Grundverständnis dafür, was Geld überhaupt trägt, ob Bargeld, Bankguthaben oder Bitcoin, wird selten vermittelt. Weder in der Schule noch am Küchentisch. Wir überspringen die Frage und gehen direkt zur Technik über: Wie zahle ich, wie spare ich, wie budgetiere ich.

Dabei ist gerade das der ideale Moment für dieses Gespräch. Wenn ein Kind zum ersten Mal ein digitales Konto bekommt, ist es offen für die Frage, was Geld eigentlich ausmacht. Man muss nicht sofort bei Bitcoin oder Blockchain landen. Es reicht, ehrlich zu erklären: Geld funktioniert, weil genügend Menschen ihm vertrauen, ob es sich um ein Metallstück, eine Banknote oder eine Zahl in einer App handelt. Und dass es unterschiedliche Systeme gibt, die dieses Vertrauen auf unterschiedliche Weise sicherstellen.

Sackgeld bleibt ein gutes Übungsfeld, das zeigt die Studie klar. Ich würde es nur um einen Satz ergänzen, bevor das erste Prepaid-Konto eröffnet wird: «Weisst du eigentlich, warum wir diesem Geld vertrauen?» Die Antwort darauf ist der eigentliche Anfang echter Finanzbildung für Kinder, nicht das Sparschwein und auch nicht die App.

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